Montag, 6. August 2012

Spaziergang durch alt Sao Paulo

Im Hotel fragte ich nach einem Stadtplan.  Das Hotel war im neuen SP, in der Nähe der Einkaufszentren und Banken, dem Viertel Paulista.  Doch auf dem Plan suchte ich das alte  SP, die Kathedrale, das Rathaus, das Benedektinerkloster und zum Schluss die Markthalle 'Mercardo Municipal' 
Bezeichnenderweise war das historische Zentrum nicht auf dem touristischen Stadtplan eingezeichnet, so suchte ich selbst meinen Weg, per Metro.  
 
Da war sie dann schließlich, die Kathedrale von Sao Paulo, ein neugotischer Bau, innen nicht besonders erwähnenswert, bis auf die Messe am Samstagmorgen.  Die Kirche war brechend voll, Ordensleute, und Gläubige und beichtende in jeder Ecke.  Der nächste Papst sollte wohl hier her kommen, hier gibt es noch lebende Gemeinden.  Doch dann bemerkte ich leider sehr schnell, warum das historische Zentrum touristisch verleugnet wird.  Armut hatte ich bislang kaum wahrgenommen, doch hier war sie dann sehr sichtbar.  Obdachlose, bettelnde Menschen, Elend, doch auch  Fröhlichkeit indem diese armen Menschen musizierten und tanzten.  Es war befremdlich und hier fühlte ich mich nicht wohl.  Ich wanderte schnell  durch Fußgängerzonen zum Benedektinerkloster, Sao Bento.  Alle 50 m standen zwei Polizisten, immer mit schusssicheren Westen.  Es beruhigte mich nur etwas.  Dafür entlohnte mich das Kloster.  Ein schöner Bau mit wunderbaren alten Fenstern.  Die nächsten Strassen waren übervoll mit Menschen, hier gab es tausend Lädchen aller Art und meine Beklommenheit wich, und dann erreichte ich die Markthalle.  Ich kenne keine auch nur annähernd so große und gut sortierte Markthalle in Deutschland, ich glaube sogar Europa.  Alle Früchte die ich schon probierte in den letzten Tagen sah ich nun im Original.  Meine kundigen Begleiter, die ich hier in der Halle wieder getroffen hatte, zeigten mir die Details, ließen mich kosten, riechen und sehen.   
Es war quasi mein Abschluss meines Ausflugs ins Zentrum.  Am Ende war ich froh, das alte SP gesucht und besucht zu haben und nicht die x-te Shopping Mall  mit den alt bekannten Designerlabels. 

Samba do Brazil, Essen und Trinken

Gestern waren wir eingeladen in ein einfaches, lokales  Restaurant zum Samba-Abend.  Eine Gruppe von 4-6 Musikern wechselten und improvisierten bekannte Samba Rhytmen.  Mir waren sie nicht bekannt, doch alle brasilianischen Gäste tanzten, dannach und sangen textsicher mit. Die Stimmung war super, die Leute hatte große Freude  und dazu wurde mal wieder gegessen und getrunken.  Ich hatte es nicht anders erwartet, dass der Rhythmus und die Tanzbegeisterung so groß ist..  Essen ist  abends immer besonders wichtig.  Hier sollte es ein traditionelles Essen aus Eintöpfen, Bohnen und vor Allem viel Fleisch geben.   
Gott sei Dank wurden die Pläne geändert und es gab nur kleine Tapas mit Würsten, gefüllten Teigtaschen, frittierten Fischrippchen (große Süßwasserfische mit Gräten so groß wie kleine Rippchen)   Das reichte mal wieder völlig, denn ich war vom Vorabend noch sooo gefüllt, insbesondre von dem Fleichgelage.  
 
Wir waren in einer Privatwohnung im obersten Stockwerk in der 16.  Etage.  Der Ausblick war phänomenal, so wie die Terrasse der Wohnung.  Jede bessere Wohnung hat einen eingebauten Grill und  es wurde ein rustikaler Grillabend in gepflegter Atmosphäre., ein original brasilianischer Churrasco Abend.  Ein paar nette Familienmitglieder und dann gab es Fleisch, Fleisch und noch mehr Fleisch.  Würste, Steaks aller  Art, dazu exotische Früchte und Gemüse, die ich noch nicht kannte.  Die Desserts waren genial, auch wiederum mit unbekannten Früchten.  Dazu wird getrunken, idR viel Bier.  Bier aller Arten und Geschmacksrichtungen, verkorkt wie ein Sekt.  Brasilien ist ein Bierland.  Doch der typische Aperitiv ist der Caipirinha - Prost - Vivas!
 
An anderen Abenden hatten wir Restaurants besucht, das Beste war das Restaurant Manu in Curitiba.  Experimentelle neue Küche, Brühe vom Rind , besonders reduziert,  so reduziert, dass die Suppe aus einem Schnapsglas bestand oder Jakobsmuschel auf weißer Schokolade, man glaubte es kaum, aber wir wurden auch satt, hatte schließlich rund 20 kleine Gänge gedauert, aber mit all diesen geschmacklichen Sensationen, war es ein tolles Erlebnis.
Anders und sehr lokal war unser Maniok-Abend: Maniok Bier mit Maniok Chips, dazu gekochte und fritierte Manioks und auf dem Fleisch - ohne dem geht es ja nicht, noch etwas Maniok-Mehl, geröstete und anschließend gemahlene Maniok, denn roh sind sie unbekömmlich.

Obwohl die Küche hauptsächlich aus viel Fleisch besteht, ist sie beeinflusst von den vielen Einwanderern aus aller Welt .  Etwas Sushi, Pizza mit groben Würsten, exotisches Obst und Gemüse, von Allem nur das Beste. Und hin und wieder Samba dazu.

Samstag, 4. August 2012

Sicherheit und Kriminalität

Wenn man etwas ohne Mühe schon über Brasilien im vorhinein weiß, dann ist es etwas über die hohe Kriminalität.  Nach nur wenigen Tagen registriere ich nur die hohe Anzahl an bewaffnetem Wachpersonal vor den Firmen und Geschäften.  Ebenso die überall vorhandenen Sicherheitseinrichtungen, sind nicht zu übersehen, Alarmanlagen, Kameras, Sicherheitszäune.  Ich hatte dadurch keine Einschränkungen erlebt, langsam stimmt es mich nur nachdenklich.  Am Stadtrand von Curitiba gibt es diese Wohnquartiere, umgeben von hohen Mauern und Stacheldraht,  mit schmucken Einfamilienhäusern dahinter und Eingangskontrolle davor. 
Nochmals, zu keiner Zeit fühlte /fühle ich mich unwohl, bedroht oder unsicher, aber es wird schon einen Grund geben, dass man sich so absichert.

Über die Auswirkungen der Kriminalität habe ich heute auch etwas gelernt als ich eine Bau- und Fertigteilfirma besuchte.  Es werden hier schlüsselfertige Gefägnisse produziert und eine Zelle konnte ich sehen.  Die Standardzelle ist ca. 3 x 3 m und besitzt 4 festbetonierte Betonpritschen und ein offenes Klo.  Die Gefängnisse werden generastabsmäßig geplant und gebaut, doch keine 4 Tage nach der Eröffnung sind die Gefägnisse schon voll belegt, d.h. pro Zelle nicht nur mit den vorgesehenen 4 Insassen, sondern i.d.R. mit 10 (zehn Insassen in einer Vierer Zelle).  Bei den Vieren wurde mir schon übel mir die Situation vorzustellen, geschweige denn mit zehn Personen.

Der Bedarf ist riesig, so wurde mir versichert. Was lerne ich daraus:  Vorsicht ist sicherlich angebracht.  Zufälliges Wortspiel, also ist mein Fazit 'Voraussicht'

Freitag, 3. August 2012

Curitiba

Heute sind wir hier in Curitiba gelandet.  Die Stadt liegt nur eine knappe Flugstunde südlich von Sao Paulo im landesinneren und hat 1,7 Millionen Einwohner-  Bei schönem Wetter und freundlichen 23°C  stellt sich die Stadt positiv dar.  Vom Flughafen Richtung Stadt, sieht es erstmal sehr ländlich, kleinbürgerlich aus; hübsche Strassen und Häuser, liebliche, hügelige Landschaft.  Hinter einer Hügelkuppe tauchte dann plötzlich eine Skyline auf, wie ich es sonst nur in Nordamerika kenne; nicht ein paar Hochhäuser a la Frankfurt oder Dubai, sondern den Horizont einnehmend.  
In der Stadt geht es hügelig weiter, doch die Bebauung ist außerordentlich charmant.  Kleine Einfamilienhäuser, größere koloniale Anwesen, kleine Holzhäuschen stehen im Wechsel mit gepflegten Wohnhochhäusern.  Ein abendlicher Fußweg durch einen kleinen Teil der Innenstadt bestätigte, dass es lebendige Viertel mit Cafés, Restaurans, Terrassen, Shoppinggalerien und Wohnhäusern sind.  Wieder mal ist alles sehr sauber und gepflegt, so dass man Lust auf mehr bekommt.
Die Straßen, Geschäfte und Restrantes sind mittelständig geprägt, was ich an den entsprechenden Autos festmache, die hier parken.  Den größten (und einzigen) Wagen der Luxusklasse den ich heute gesehen habe, war ein Porsche Cayenne. 
Selbst der öffentliche Personennahverkehr funktioniert mit einem auf eigenen Fahrbahnen verkehrenden Busnetz.  Dies scheint in jeder Hinsicht eine lebeswerte Stadt zu sein.  Ein Grund ist wohl die Vielfalt, die die Einwanderer hier hin gebracht haben.  Von den Italienern, Japanern, Deutschen, Portugiesen hat man alles gute übernommen, dann kommt halt diese schöne Mischung dabei raus.  Das ist auch ein prägendes Merkmal der brasilianischen Küche.  Das ist aber ein eigenes Thema.

Donnerstag, 2. August 2012

Sao Paulo - Stadt Normal

Leider habe ich zuwenig Zeit, um ausführlich meine Eindrücke zu schildern und zu berichten.  Es gibt aber auch nicht so viel zu schreiben, denn Sao Paulo zeigt sich so überraschend normal.  Ich bin ohne besondere Erwartungshaltung in Brasilien angekommen.  Ruhiger, langer Flug; bei kühlerem Sommerwetter in Deutschland abgeflogen und bei wärmerem Winterwetter hier angekommen, so dass es von den Tem´peraturen keine Umstellung gab.  Die Tage sind kürzer, das fällt schon schnell am Abend auf, dass es um 18h dunkel wird.  Also klimatechnisch sehr normal bezogen auf Deutschland am letzten Montag. 

Dann die ersten Fahrten durch die Stadt:  Viel Verkehr auf sauberen und intakten Straßen, entlang an Häusern, die sich wenig von Europa unterscheiden.  Viele Hochhäuser gibt es, doch mit schmucken Fassaden und Balkonen, die den Blumen und Sitzmöbeln vorbehalten sind und nicht dem Wäscchetrocknen und vielen Klimageräten und Satelittenschüsseln.  Alles auf gut deutsch propper!  Halt Normal, wenn man aus Deutschland kommt.  Will gar nicht vergleichen, wüßte auch nicht was, denn wenn es keine großen Unterschiede gibt, ist das eine überflüssige Arbeit.

Dann ging es raus aus der Stadt:  6 und 8-spurige Autobahnen führten uns zur nächsten Vorstadt dieser 20 Miillionen Metropole.  Dazwischen war es normal:  grüne Hügel, Schwarzwald, Eifel, Tannenwälder, Laubwälder, doch halt, nicht ohne Laub trotz Winter!  Hin und wieder mal ein paar Palmen zwischen den Bäumen.  Die Hochhäuser sehen nach Mittelstand aus, so auch die kleineren Häuser, dann ein paar arme Siedlungen, die aber dennoch nicht verwahrlost scheinen, ärmlich, bunt, aber feste kleine Häuser dicht an dicht.  Die Autos - auch wieder so normal - Mittelklasse, Kleinwagen wenig, ganz wenig Oberklasse.  keine krassen Kontraste, so normal wie man es sich wünscht.

Der Verkehr läuft geregelt oder man staut - wie bei uns.  Keine Anarchie der Straße, sondern entspanntes Fahren.  Da können wir noch 'was lernen, es wird nicht gehupt, sondern man nimmt Rücksicht trotz Stau. 

Ich weiß nicht was ich wirklich erwartet habe, aber ich bin über die Normalität dieser Stadt positiv überrascht.  Kollegen sprechen auch immer von hoher Kriminalität und Diebstahl, ich sehe Wachpersonal am Werkstor mit schußsicheren Westen und Pistolen - also doch ein Unterschied, aber dem war ich soweit nicht ausgesetzt. 

Die Menschen sind so nett wie die Beschreibung oben, herzlich, freundlich und gastfreundlich, wäre das schön, wenn das bei uns normal würde.

Montag, 30. Juli 2012

Lateinamerika - Rundreise in zwei Wochen

2 Wochen, 9 Flüge, ca. 30.000 km: Stationen: Brasilien - Sao Paulo, Peru - Lima, Santiago - Chile, Buenos Aires - Argentinien, Montevideo - Uruguay
Da Lateinamerika seit meiner Schulzeit schon immer meine Lieblingsregion war, bin ich gespannt hoffentlich mal etwas mehr von dem Kontinent zu sehen.  Santiago de Chile hatte ich vor ca. 20 Jahren auch schon mal kurz besucht, doch damals wie heute war mein Timing nicht wirklich gut, denn es ist Winter und es kann empfindlich kalt werden.  So nehme ich diesmal einen größeren Koffer mit, um auch Winterkleidung einzupacken.
Eigentlich waren die letzten zwei Wochen zwischen Asien und Lateinamerika hier in Düsseldorf etwas kurz.  So muss ich meine Familie schon wieder alleine zu Hause lassen - schon wieder auf Geschäftsreise!  Also wieder mal Verbindung über Blog, Facetime und Skype, aber das ist ja immer hin schon ein Trost.  Nun erst mal auf ins neue Abenteuer.

Freitag, 13. Juli 2012

Unglaubliche Hitze in Dubai und ein Rekordsommer wird erst noch erwartet

Wie kann man bei über 40°C überhaupt arbeiten?  Ich kam aus dem Flughafen, es war Mittag und es fühlte sich an, als ob ein überdimensionaler heißer Fön auf mich gerichtet wird.  Es war sogar noch unter dem schattigen Vordach, doch es reichte, um schon wieder eine Ahnung zu bekommen. Zum Glück war die Luft trocken, ein Ausgleich zu dem Monsun- Klima vom Morgen in Mumbai.  Ich musste nur ca. 20m bis zum nächsten Gebäude überbrücken, doch war froh, schnell wieder in die klimatisierte Umgebung zu kommen. Allerdings ging es dann auch schon ohne Vorwarnung mit dem Gepäck ins Parkhaus und hier strahlte die Hitze von überall gleichmäßig, so muss es sich in einem Backofen anfühlen bei 50° Ober- und Unterhitze.  Schnell ging es weit ins Auto, doch auch kein entkommen, dass hatte sich nach  30  minütigem Aufenthalt an die Umgebungsteperatur angeglichen.  Also die Klimaanlage an, doch da kommt die ersten fünf Minuten nur heiße Fönluft, zumindest erhalte ich den Eindruck einer Brise, sie war nur nicht frisch.   Als es im Wagen dann endlich erträglich war, konnten wir schon wieder aussteigen, diesmal ohne Vordach und direkt in der Sonne, unglaublich, wie schnell man doch ein Hemd durchschwitzen kann und das bei trockener Hitze.  Mit schnellem Schritt in die tiefgekühlte Hotellobby.  Ahhh.  Ich spürte den Kreislauf, als hätte ich einen Dauerlauf hinter mir.  Ich frage mich, wie man das länger aushält.  Man flüchtet ins Innere und selbst die Bushaltestellen sind kleine klimatisierte Wartehäuschen und man läuft von Klimaanlage zu Klimaanlage...bis auf ein paar Touris, die vor meinem Hotelzimmer am Pool liegen- in der Sonne!!  Müssen wohl Tommys sein.   Somit wird man es verstehen, dass ich mich sogar über die 16-18°C in Düsseldorf nun freuen kann und gar nicht so abgeschreckt bin von den Wetteraussichten am Wochenende. Jetzt gibt es zwei Wochen gemäßigtes Klima bevor ich auf die Südhalbkugel der Erde in den dortigen Winter fliege.